Diese Nachricht habe ich vor einigen Tagen auf meiner Facebook-Seite gepostet. Ein paar Tage später habe ich mich komplett abgemeldet.

 

Ich gehe! Wer geht mit?

In den letzten Tagen habe ich nach dem Camebridge Analytica – Skandal die Reaktionen von M. Zuckerberg beobachtet und mir einige Gedanken gemacht.

Mein Ergebnis:

  • Bisher ging ich (zugegeben: etwas naiv) davon aus:
    Der Deal „Daten gegen maßgeschneiderte Werbung“ ist ok.
    Facebook bietet eine kostenlose Plattform zur Vernetzung mit Freunden und Bekannten – und deren Freunden und Bekannten. Dafür bezahle ich damit, dass ich Werbung eingeblendet bekomme, die meinen Interessen entspricht. Ich finde es sogar besser, Werbung für interessante Produkte zu bekommen als für irgendwelche Dinge, für die ich sicher keinen Bedarf habe.

  • Ich muss nun sehen: Meine Daten werden nicht nur für Werbung verwendet, sondern auch anderweitig verknüpft und verwertet. Ich möchte nicht, dass meine (und die Daten anderer Leute) zur politischen Meinungsbildung verwendet werden. Ich möchte auch nicht, dass aus Daten umfassende Persönlichkeitsprofile erzeugt werden. Das ist höchst anfällig für Missbrauch.

  • M. Zuckerbergs taktierende Reaktionen überzeugen mich nicht. Es gab kein klares Bekenntnis zu Transparenz. Es gibt noch keine sichtbaren Bemühungen, auf einfache Weise den Teilnehmern die Hoheit über die eigenen Daten zu sichern. Neben dem Daten-Schutz bekommt die Klarheit des Daten-Besitzes zunehmende Bedeutung. Noch immer sind die AGB‘s unübersichtlich und ist die Verwaltung der eigenen Daten viel zu kompliziert.

  • Facebook hat in seinem Bereich fast eine Monopolstellung erreicht. Monopolisten haben Macht. Macht wird immer auch missbraucht werden. Dieser Missbrauch kann nur durch sehr klare Regelungen und Gesetze verhindert werden. Wirklich wirksame politische Einflussnahme auf multinational agierende Daten-Konzerne gibt es derzeit noch nicht.

  • Deshalb meine ich: Derzeit kann Daten-Missbrauch nur dadurch eingedämmt werden, dass wir als Nutzer dafür sorgen, dass es nicht nur einen Monopolisten, sondern mehrere Player und echte Konkurrenz gibt. Nur wenn viele Nutzer Facebook verlassen, entsteht ein Potential für einen oder mehrere alternative Anbieter.

  • Ganz schwach fand ich Reaktionen wie: „Es gibt ja keine echte Alternative – wo soll ich mich den statt Facebook anmelden? Also bleibe ich.“ So ähnlich äußern sich Abhängige zu ihrem Suchtmittel! Es gibt noch immer die Möglichkeit, Freunde im realen Leben zu besuchen und mit ihnen zu reden! Es gibt das Telefon, Emails, Briefe, …
    Gerade wenn wir uns fast abhängig fühlen, sollten wir misstrauisch sein. Wer uns abhängig macht, wird uns auch missbrauchen.

Meine Schlussfolgerungen:

  • Ich werde Facebook zumindest für einige Zeit verlassen. So weit es geht, lösche ich meine Daten. Ich bleibe nur noch einige Tage, um die Reaktionen auf meinen Artikel abzuwarten.

  • Ich rege an: Macht euch Gedanken, teilt diesen Artikel. Wenn es auch überzeugt: Geht auch!

  • Ich werde beobachten, was sich in den Monaten tut. Wird es wirksame gesetzliche Regelungen geben? Meint Facebook es ernst mit Transparenz der Datennutzung und Daten-Autonomie der Nutzer?

  • Ich freue mich, wenn Konkurrenz-Plattformen wachsen.

  • Ich freue mich auf reale Begegnungen, Gespräche etc. mit Menschen, die tatsächlich Teil meines Lebens sind.